
Warum du trotz Einkommen kein Geld übrig hast
Du verdienst nicht schlecht. Du gibst kein Geld für Verrücktes aus. Du kaufst keine Designertaschen und fliegst nicht dreimal im Jahr weg.
Und trotzdem: Am Fünfundzwanzigsten wird es eng. Jeden Monat.
Dieses Gefühl ist irritierend und manchmal auch beschämend. Schnell entsteht der Gedanke: Ich müsste doch besser mit Geld umgehen können. Dabei liegt es oft nicht an einer einzelnen falschen Entscheidung, sondern an mehreren Dingen, die gleichzeitig wirken.
Warum der Kontostand dich täuscht
Bei den meisten läuft alles über ein einziges Konto. Miete, Einkäufe, der Kaffee unterwegs, die Autoversicherung, das Geschenk für den Kindergeburtstag. Alles fließt durch dieselbe Zahl.
Und wenn alles durcheinanderliegt, ist nie ganz klar, was wirklich da ist.
Der Kontostand am Fünfzehnten sagt dir nichts darüber, ob dieses Geld schon vergeben ist. Er sagt dir nur, was gerade dort liegt.
So kann sich ein Kontostand beruhigend anfühlen, obwohl ein großer Teil des Geldes längst für die nächsten Wochen verplant ist.
Grund 1: Deine Fixkosten sind höher, als du denkst
Eine Zahl lohnt sich dabei besonders: der Anteil deines Einkommens, der schon vergeben ist, bevor der Monat überhaupt richtig begonnen hat.
Rechne einmal: alle festen Ausgaben zusammen, geteilt durch dein Nettoeinkommen, mal hundert.
Als grobe Orientierung kannst du schauen: Liegt die Quote unter 50 Prozent, bleibt meist noch etwas Spielraum. Zwischen 50 und 70 Prozent wird es enger, sobald etwas Ungeplantes dazukommt. Über 70 Prozent ist ein großer Teil des Einkommens bereits gebunden. Diese Werte sind keine Bewertung, aber sie helfen dir, dein Gefühl einzuordnen.
Viele Frauen liegen im oberen Bereich, ohne es zu wissen. Wenn bei dir zum Beispiel 78 Prozent schon fest verplant sind, brauchst du nicht als Erstes mehr Disziplin. Dann lohnt sich ein genauer Blick auf deine Struktur.
Grund 2: Die Kosten die nur einmal im Jahr kommen
Die Kfz-Versicherung im Januar. Die Nebenkostenabrechnung im Frühling. Der Zahnarzt. Weihnachten. Der Urlaub.
Im Monatsbild fallen diese Beträge leicht unter den Tisch. Wenn sie dann fällig werden, fühlt es sich jedes Mal nach Pech an - obwohl Weihnachten, Versicherungen oder der Urlaub ziemlich verlässlich wiederkommen.
Teile alle Jahresbeträge durch zwölf und rechne sie zu deinen Monatskosten dazu. Diese eine Rechnung verändert oft das ganze Bild – und erklärt rückwirkend viele Monate, in denen du dich gefragt hast, was schiefgelaufen ist.
Grund 3: Kleine Ausgaben, die niemand mitzählt
Oft ist es nicht der eine große Betrag, der dafür sorgt, dass am Monatsende kaum etwas übrig ist. Es sind viele kleine Ausgaben, die sich über den Monat summieren.
Der Kaffee unterwegs. Das Abo, das du seit zwei Jahren nicht nutzt. Die Lieferung, weil der Tag lang war. Der Lippenstift an der Kasse.
Keine dieser Ausgaben ist falsch. Das Problem ist nicht die einzelne Entscheidung, sondern dass sie nie sichtbar wird. Was du nicht siehst, kannst du nicht einordnen.
Grund 4: Geld folgt oft deinem inneren Zustand
An Tagen, die von Druck, Verantwortung oder Erschöpfung geprägt sind, wächst oft der Wunsch nach etwas, das sich schnell gut anfühlt.
Dann kann ein kleiner Kauf wie eine Pause wirken. Wie etwas, das nur für dich ist, nachdem du dich den ganzen Tag um alles Mögliche gekümmert hast.
Das hat nicht automatisch etwas mit mangelnder Selbstbeherrschung zu tun. Manchmal ist es einfach der Versuch, nach einem langen Tag irgendwie herunterzukommen.
Darum reichen reine Sparregeln oft nicht aus. Sie sagen dir, was du im entscheidenden Moment tun sollst. Sie verändern aber nicht den Tag, den du bis dahin hattest.
Grund 5: Die Bewegung die sich wie Stillstand anfühlt
Manchmal bist du mit Geld vor allem damit beschäftigt, kurzfristig wieder Luft zu bekommen: Du gleichst den Dispo aus, löst eine Ratenzahlung durch die nächste ab oder schiebst eine Rechnung in den kommenden Monat.
Für einen Moment ist Ruhe. Dann kommt die nächste Lücke, und du fängst wieder von vorn an.
Du bewegst ständig Geld hin und her und hast trotzdem das Gefühl, nicht voranzukommen.
Sobald du dieses Muster erkennst, kannst du genauer hinschauen: Wo beginnt der Kreislauf eigentlich, und an welcher Stelle könntest du ihn zum ersten Mal unterbrechen?
Es geht nicht nur um Zahlen
Natürlich geht es bei Geld um Einnahmen und Ausgaben. Aber daran hängen oft auch Fragen wie: Fühle ich mich sicher? Traue ich mir zu, eine gute Entscheidung zu treffen? Und halte ich den Blick auf mein Konto überhaupt aus?
Ein Haushaltsbuch kann hilfreich sein. Wenn du es aber aus Angst führst, jeden Euro kontrollierst und nach zwei Wochen erschöpft aufgibst, hat es dir wenig gebracht.
Deshalb darf der erste Schritt kleiner sein: erst einmal wahrnehmen, was in deinem Alltag tatsächlich passiert. Ohne dich dabei gleich zu korrigieren.
Ein erster Schritt, der 10 Minuten dauert
Du musst nicht dein ganzes Finanzleben durchleuchten. Drei Zahlen reichen für den Anfang: dein monatliches Nettoeinkommen, deine festen Ausgaben und was dazwischen bleibt.
Daraus ergibt sich deine Fixkostenquote, die Zahl aus Grund 1. Dann kannst du besser einschätzen, ob dein Gefühl von Enge zu den Zahlen passt - oder ob an einer anderen Stelle Geld verschwindet.
Dafür habe ich den 10-Minuten-Geldblick gemacht: ein kurzes PDF zum Ausfüllen, ohne Tabellenwahn und ohne die Erwartung, dass danach alles anders ist.
Es ist ein Blick, keine Entscheidung.
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Wenn sich dein Thema eher am Abend zeigt als am Monatsende, fängst du am besten hier an: Warum du abends online kaufst und morgens bereust.
Und wenn du wissen möchtest, wie Geld überhaupt geordnet werden kann, damit es nicht mehr durch eine einzige Zahl fließt: Geld ordnen mit dem Kobel-System.
Mehr Impulse zu Geld im Alltag findest du hier.