
Was tun mit Geld, das nicht geplant war
Du verkaufst etwas über eBay und es bringt dir einen Erlös von 25 Euro.
Zwei Wochen später weißt du nicht mehr, wo sie geblieben sind.
Nicht, weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil Geld, das ungeplant kommt, häufig auch ungeplant wieder verschwindet.
Dabei kann genau dieses Geld etwas Interessantes verändern.
Nicht nur auf deinem Konto, sondern in deinem Blick auf Geld.
Ungeplantes Geld braucht trotzdem ein Zuhause
Für regelmäßige Einnahmen kannst du planen. Miete, Lebensmittel, Rücklagen, Wünsche, langfristiger Aufbau. Im Kobel-System bekommt jeder Euro seine Aufgabe.
Und selbstverständlich gilt das auch für Geld, mit dem du vorher nicht gerechnet hast.
Die 25 Euro vom eBay-Verkauf können in den Lebenskobel wandern, wenn gerade neue Schuhe für die Kinder fehlen. Sie können in den Sicherheitskobel, wenn deine Rücklage noch dünn ist. Oder in den Freudenkobel, wenn du dir einen Wunsch erfüllen möchtest.
Ungeplant bedeutet nicht: ohne Aufgabe.
Aber bevor du entscheidest, wohin dieses Geld gehört, kannst du eine kleine Regel davorschalten:
Zehn Prozent davon bleiben.
Nicht für einen bestimmten Zweck, nicht für den nächsten Urlaub, nicht für eine Reparatur. Sie kommen auf ein eigenes Konto, dessen Guthaben nur eine Richtung kennt: Es wächst.
Wie viel Prozent sparen – und wovon?
Auf die Frage, wie viel Prozent man sparen sollte, gibt es bekannte Antworten: zehn Prozent, zwanzig, die Hälfte. Sie beziehen sich fast immer auf das Gehalt.
Wenn deine Fixkosten allerdings den größten Teil deines Einkommens binden, ist jede feste Sparrate ein Kampf. Du hältst sie zwei Monate durch, dann kommt die Autoreparatur, und du räumst sie wieder ab. Danach bleibt das Gefühl, es nicht hinzubekommen.
Von ungeplantem Geld zehn Prozent abzuzweigen, fühlt sich anders an. Du verzichtest auf nichts, weil dieses Geld vorher gar nicht verplant war.
Der Geldmagnet
Die Idee dazu habe ich bei Alex Fischer gefunden. Er beschreibt ein separates Rücklagenkonto, auf das regelmäßig ein Teil der Geldeingänge fließt, mit einer ungewöhnlichen Regel:
Das Geld wird nicht wieder heruntergenommen.
Ich nehme nicht zehn Prozent meines gesamten Einkommens, denn mein regelmäßiges Geld hat im Kobel-System längst seine Aufgaben.
Stattdessen nehme ich:
10 Prozent von dem Geld, mit dem ich vorher nicht gerechnet habe. Von 25 Euro für verkaufte Bastelsachen bleiben also 2,50 Euro. Von einem kleinen Gewinn über 9,40 Euro bleiben 94 Cent.
Diese zehn Prozent gehen auf ein Konto, an das ich nicht drangehe.
Mein Geldmagnet. Oder, passend zu Heilanker Wohlstand: mein Saatkonto.
Warum überhaupt ein Konto, das man nicht benutzt?
Rein mathematisch wirkt das zunächst merkwürdig, denn Geld soll schließlich Aufgaben erfüllen. Es kann Rücklagen bilden, Schulden reduzieren oder langfristig investiert werden.
Warum sollte ausgerechnet ein Teil davon einfach liegen bleiben?
Für mich liegt der interessante Teil weniger in irgendeiner magischen Wirkung des Geldes. Sondern darin, was dieses Konto mit der eigenen Wahrnehmung macht.
Normalerweise sehen wir Geld vor allem in Bewegung: Es kommt, es bekommt eine Aufgabe, es geht wieder.
Selbst ein gut gefüllter Sicherheitskobel wird irgendwann gebraucht, genau dafür ist er da. Wenn die Waschmaschine kaputtgeht und du die Reparatur daraus bezahlst, erfüllt dieser Kobel seine Aufgabe.
Der Geldmagnet bzw. das "Saatkonto" funktioniert anders, sein Bestand sinkt nicht.
Zum ersten Mal gibt es vielleicht einen Geldtopf, bei dem du Monat für Monat beobachten kannst: Es wird mehr. Nicht spektakulär, aber dauerhaft.
Der Nebeneffekt, mit dem ich nicht gerechnet habe
Ich führe dafür ein ganz kleines Journal:
Datum. Woher kam das Geld? Wie viel war es? Und wie viel sind zehn Prozent davon?
Und schon nach den ersten Einträgen ist mir etwas aufgefallen: Ich habe angefangen, Einnahmen anders wahrzunehmen.
20 Euro für etwas, das ich verkauft habe. 25 Euro für Bastelsachen, die jemand anderes noch gebrauchen kann.
Früher wären solche Beträge einfach auf dem Konto gelandet und irgendwann im Alltag aufgegangen. Im Kobel-System bekommen diese Einnahmen eine Aufgabe und ein Teil davon (bei mir sind es 10 %) bleibt ganz bewusst liegen.
Und noch etwas passiert: Plötzlich schaue ich nicht nur darauf, wo ich weniger ausgeben könnte.
Ich frage mich auch:
Wo könnte noch Geld hereinkommen? Was liegt herum, das ich nicht mehr brauche? Welche kleine Möglichkeit habe ich übersehen? Welche Einnahme wäre vorher so nebensächlich gewesen, dass ich sie kaum wahrgenommen hätte?
Genau das finde ich an dieser Methode inzwischen spannender als die zehn Prozent selbst.
Der Geldmagnet ersetzt keinen Kobel
Der Geldmagnet bzw. das Saatkonto ersetzt weder den Sicherheitskobel noch den Wachstumskobel noch eine Rücklage für konkrete Wünsche.
Wenn eine Autoreparatur kommt, möchte ich nicht an mein Saatkonto gehen müssen, dafür gibt es den Sicherheitskobel.
Wenn ich langfristig Vermögen aufbauen möchte, gibt es dafür ebenfalls einen eigenen Platz.
Der Geldmagnet hat eine andere Funktion. Er ist der Teil meines Geldes, der keine Ausgabe mehr werden soll.
Deshalb darf ungeplantes Geld weiterhin ganz normal verteilt werden. Von 100 Euro zusätzlich könnten zum Beispiel zehn Euro zum Geldmagneten gehen. Die übrigen 90 Euro dürfen in genau den Kobel fließen, in dem ich sie gerade brauche.
Was zählt für mich als ungeplantes Geld?
Zum Beispiel:
- Verkäufe über Kleinanzeigen oder Flohmärkte
- Geldgeschenke
- kleine Gewinne
- unerwartete Erstattungen
- unregelmäßige Nebeneinnahmen
- zusätzlich verdientes Geld, mit dem ich vorher nicht geplant habe
Nicht dazu gehören regelmäßiges Gehalt, Kindergeld oder Unterhalt. Diese Einnahmen sind bereits Teil meiner normalen Geldplanung.
Und auch das Pfand aus meinem eigenen Einkauf zählt für mich nicht. Ich bekomme dabei schließlich nur Geld zurück, das ich vorher selbst bezahlt habe.
Sammle ich dagegen beim Spaziergang fremde Pfandflaschen ein, sieht die Sache anders aus, dann habe ich tatsächlich einen zusätzlichen Geldzufluss geschaffen.
Und was ist mit der Inflation?
Hier wird es interessant.
Ein Konto, dessen Geld niemals ausgegeben wird, widerspricht auf den ersten Blick einem wichtigen Grundsatz: Geld, das dauerhaft unverzinst herumliegt, verliert mit der Zeit Kaufkraft.
Das möchte ich nicht verschweigen.
Deshalb bedeutet „nicht anfassen" für mich nicht zwangsläufig, dass das Geld auf einem unverzinsten Girokonto liegen muss. Das Konto darf Zinsen bringen und auch diese Zinsen können einfach dort bleiben.
Der Grundgedanke bleibt derselbe: Der Betrag wird nicht in meinem Kobel-System verwendet.
Ob ich irgendwann eine andere Form finde, in der dieser dauerhaft wachsende Bestand sinnvoller aufgehoben ist, muss ich heute noch nicht entscheiden. Und ich möchte daraus auch nicht künstlich einen weiteren Wachstumskobel machen.
Gerade das Ungewöhnliche an diesem Konto ist schließlich:
Es muss nichts leisten, es darf einfach da sein.
Wie du anfangen kannst
Du brauchst keinen großen Betrag. Und du musst auch nicht warten, bis deine Finanzen perfekt sortiert sind.
Nimm die nächste ungeplante Einnahme. Berechne zehn Prozent. Überweise sie auf ein separates Konto und schreibe die Einnahme auf.
Datum | Woher kam das Geld? | Betrag | 10 Prozent
Dann beobachte eine Weile nicht nur, wie das Konto wächst, beobachte auch dich selbst.
Fallen dir plötzlich mehr kleine Einnahmen auf?
Denkst du häufiger darüber nach, was noch möglich wäre?
Verändert sich dein Gefühl, wenn du ein Konto siehst, dessen Guthaben nicht ständig wieder kleiner wird?
Vielleicht ist genau das der eigentliche Geldmagnet.
Nicht das Konto selbst, sondern der Blick, den es verändert.
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Wie die übrigen 90 Prozent ein Zuhause bekommen und warum Geld nicht einfach auf einem großen Kontohaufen liegen muss: Geld ordnen mit dem Kobel-System.
Und warum eine Rücklage, die ausdrücklich benutzt werden darf, genauso wichtig ist: Notgroschen aufbauen ohne Druck